Historie ASTI/ASI
Ehrenmitglieder
Prof. Dr. Gerhard Gebauer (seit 2024)

Laudationes zu den Ehrenmitgliedschaften von Frau Dr. Anette Goeske und Herrn Professor Dr. Gerhard Gebauer in der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope anlässlich der ASI-Jahrestagung 2024 an der TU Darmstadt.

Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg haben Dr. Anette Goeske (ehemals Giesemann) und Prof. Gerhard Gebauer unsere ASI maßgeblich geprägt und sind deshalb den meisten ASI Mitgliedern bestens bekannt. Beide haben nicht nur entscheidend zur (isotopen-)fachlichen Förderung und Inspiration des wissenschaftlichen Nachwuchses beigetragen, sondern mit ihrer wertschätzenden Art Feedback zu geben und zu Diskutieren eine angenehme familiäre Atmosphäre geschaffen. Dazu passt, dass sich Prof. Gebauer anlässlich der ASI-Jahrestagung 2023 in Bayreuth selbst als “Fossil der Isotopenforschung” bezeichnet hat und Dr. Goeske mir kürzlich schrieb “Zur ASI fahren ist wie nach Hause kommen in eine große Familie”.

Prof. Gebauer studierte von 1977 bis 1983 Biologie, Chemie und Geographie auf Staatsexamen an der TU München. 1987 wurde er an der TUM unter Betreuung von Prof. Helmut Rehder promoviert und wechselte dann an die Universität Bayreuth. Dort baute er am Lehrstuhl für Pflanzenökologie ein erstes Isotopenlabor auf und habilitierte sich unter Prof. Ernst-Detlef Schulze. 2003 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an der Universität Bayreuth ernannt und hatte von 2005 bis 2023 die Leitung des von ihm etablierten BayCEER-Labors für Isotopen-Biogeochemie inne.

Die Erforschung von Interaktionen und Stoffflüssen zwischen Pedosphäre, Biosphäre und Atmosphäre war mehr als 30 Jahre ein zentrales Forschungsthema in Prof. Gebauers Arbeitsgruppe. Ein Schwerpunkt lag dabei auf den Flüssen reaktiver Spurengase (NOx, NH3, SO2, N2O) und Ionen (Nitrat, Ammonium). Bei der Aufklärung von Prozessen und Quellen wandte er insbesondere Isotopenanalysen an. Die meisten ASI-Mitglieder kennen Prof. Gebauer für seine Mykorrhizaforschung, die Entdeckung partieller Mykoheterotrophie bei Orchideen und Ericaceen mit Hilfe von C-, N- und später H-Isotopenhäufigkeitsbestimmungen.

An die stabilen Isotope herangeführt wurde Prof. Gebauer durch Prof. Hubert Ziegler, einem 2009 verstorbenem Gründungsmitglied der ASI. Dreimal lud er die ASI für Jahrestagungen nach Bayreuth ein: 1992, 2007 und zuletzt 2023 in Zusammenarbeit mit Dr. Alexander Frank, Prof. Johanna Pausch, Prof. Eva Lehndorff, Prof. Susanne Baldermann und Prof. Tillmann Lüders. Im Vorstand engagierte er sich von 1993 bis 1997 als 1. Vorsitzender.

Schließen möchte ich mit zwei Zitaten: “Wenn ich jetzt meine Tätigkeiten in der ASI noch einmal Revue passieren lasse, haben tatsächlich Anette und ich – oft im Duett – gerade in den 90er Jahren doch einiges in der Arbeitsgemeinschaft bewegt.” (Prof. Gebauer). “1992 war meine erste ASI Tagung in Bayreuth und damals lernte ich Gerhard kennen. Wir haben von da an viele Dinge gemeinsam getan, ASI geleitet, gemeinsame Projekte durchgeführt, viele nationale und internationale Tagungen besucht und uns immer wieder spätestens auf den ASI Tagungen getroffen. Umso mehr freue ich mich, mit ihm gemeinsam die ASI-Ehrenmitgliedschaft zu bekommen.” (Dr. Goeske).

Auch wenn die Zeiten als ASI Vorstand in den 90er und frühen 2000er Jahren lagen, so reichte und reicht das große Engagement und Wirken von Dr. Goeske und Prof. Gebauer für die ASI zweifelsohne bis heute. Wie auch beim 2021 zum Ehrenmitglied ernannten Dr. Strauch wurde (fast) keine ASI Jahrestagung verpasst, was die enge Verbundenheit mit unserer ASI widerspiegelt. So freuen wir uns von Herzen, nun auch Dr. Goeske und Prof. Gebauer als ASI-Ehrenmitglieder begrüßen zu dürfen, und hoffen mit beiden auf noch vielen gemeinsamen Jahrestagungen bei guter Gesundheit über Stabilisotope und Sonstiges diskutieren zu dürfen.

Dr. Anette Goeske (seit 2024)

Laudationes zu den Ehrenmitgliedschaften von Frau Dr. Anette Goeske und Herrn Professor Dr. Gerhard Gebauer in der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope anlässlich der ASI-Jahrestagung 2024 an der TU Darmstadt.

Dr. Goeske studierte von 1975 bis 1980 Biologie mit Schwerpunkt Botanik, Biochemie und Mikrobiologie an der TU Braunschweig. 1986 wurde sie am Botanischen Institut der TU Braunschweig promoviert. 1985 bis 1988 arbeitete sie im Institut für Produktions- und Ökotoxikologie an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), wechselte dann an das Institut für Pflanzenökologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. 1992 ging sie zurück an die FAL ins Institut für Agrarökologie, wo sie 1994 die Leitung und Weiterentwicklung des Labors für stabile Isotope übernahm.

Bereits 1985 kam sie zum ersten Mal mit stabilen Isotopen in Berührung. Der Einfluss von SO2 Emissionen Kraftwerken auf die Vegetation war damals ein zentrales Thema und die S-Isotopensignatur in Luft, Pflanzen und Boden sollte Aufschluss über die Beteiligung dieses Luftschadstoffs an landwirtschaftlichen Nutzpflanzen und den Waldschäden geben. Der damalige Institutsleiter, Prof. Dr. H.-J. Jäger, stand in Kontakt mit Prof. H.R. Krouse von der University of Calgary, Alberta, Canada, der seinerzeit schon viel über S- Isotope gearbeitet hatte. Bei ihm sowie in einem Kurs bei Prof. Heimo Nielsen in Göttingen, einem 2012 verstorbenem Ehrenmitglied der ASI, bekam sie den Einstig in die S- Isotopenanalytik vermittelt. In diversen gemeinsamen Projekten entstand eine langjährige Zusammenarbeit mit Prof. Gebauer aber auch mit Prof. Dr. Karl-Heinz Feger aus Dresden.

Die Resortforschung des Bundes wurde umstrukturiert, die FAL wurde zum Johann Heinrich von Thünen Institut, Institut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, das Institut für Agrarökologie zum Institut für Agrarklimaschutz und später Institut für Agrarrelevante Klimaforschung. Die Fragestellungen der Forschung wechselten ebenfalls. Die CO2 Anreicherung in der Atmosphäre und deren Einfluss auf landwirtschaftliche Nutzpflanzen kam in den Fokus und schließlich die Emissionen von N2O aus landwirtschaftlichen Böden. Geblieben ist bei allen Fragestellungen der Einsatz der stabilen Isotopenanalytik, verbunden mit der Weiterentwicklung der Analytischen Methoden. Die Begeisterung für stabile Isotope blieb … bis zum und auch nach den Rentenbeginn 2022.

Wichtige Diskussionspartner und Wegbegleiter waren unter anderem Dr. Karleugen Habfast, Prof. Hans-Ludwig Schmidt, Dr. Willi Brandt, Dr. Andreas Hilkert, Prof. Peter Krumbiegel, Dr. Gerhard Strauch, Dr. Matthias Gehre, Dr. Rolf Siegwolf und natürlich Prof. Gebauer.

Nach ihrem ersten Kontakt mit der ASI 1992 auf der Tagung in Bayreuth, lud sie ihre “ASI-Familie” 1995 und 2013 nach Braunschweig für Jahrestagungen ein. Im Vorstand engagierte sie sich von 1995 bis 2002 und leitete dabei den Verein als 1. Vorsitzende von 1997 bis 2002.
Als 2000 Herr Dr. Habfast die Dr. Karleugen Habfast-Stiftung gründete, war es für Dr. Goeske eine Ehre und Selbstverständlichkeit die Koordination für den gleichnamigen Isotopenpreis zu übernehmen.

Schließen möchte ich mit zwei Zitaten: “Wenn ich jetzt meine Tätigkeiten in der ASI noch einmal Revue passieren lasse, haben tatsächlich Anette und ich – oft im Duett – gerade in den 90er Jahren doch einiges in der Arbeitsgemeinschaft bewegt.” (Prof. Gebauer). “1992 war meine erste ASI Tagung in Bayreuth und damals lernte ich Gerhard kennen. Wir haben von da an viele Dinge gemeinsam getan, ASI geleitet, gemeinsame Projekte durchgeführt, viele nationale und internationale Tagungen besucht und uns immer wieder spätestens auf den ASI Tagungen getroffen. Umso mehr freue ich mich, mit ihm gemeinsam die ASI-Ehrenmitgliedschaft zu bekommen.” (Dr. Goeske).

Auch wenn die Zeiten als ASI Vorstand in den 90er und frühen 2000er Jahren lagen, so reichte und reicht das große Engagement und Wirken von Dr. Goeske und Prof. Gebauer für die ASI zweifelsohne bis heute. Wie auch beim 2021 zum Ehrenmitglied ernannten Dr. Strauch wurde (fast) keine ASI Jahrestagung verpasst, was die enge Verbundenheit mit unserer ASI widerspiegelt. So freuen wir uns von Herzen, nun auch Dr. Goeske und Prof. Gebauer als ASI-Ehrenmitglieder begrüßen zu dürfen, und hoffen mit beiden auf noch vielen gemeinsamen Jahrestagungen bei guter Gesundheit über Stabilisotope und Sonstiges diskutieren zu dürfen.

Dr. Gerhard Strauch (seit 2021)

Laudatio zur Ehrenmitgliedschaft von Herrn Professor Dr. Gerhard Strauch in der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope anlässlich der ASI-Jahrestagung 2020

Gerhard Strauch, Jahrgang 1947, studierte ab 1966 Chemische Technologie und Physikalische Chemie an der technischen Hochschule Merseburg. Seinen Abschluss erlangte er 1973 mit einer Promotion in Physikalischer Chemie.

Im Anschluss daran arbeitete er als Chemiker im Zentralinstitut für Isotopen und Strahlenforschung (Leipzig), einem Institut der Akademie der Wissenschaften der DDR. Sein Aufgabengebiet waren experimentelle und theoretische Studien zu stabilen Isotopen in natürlichen Systemen. Sein Arbeitsschwerpunkt lag dabei auf geologischen Prozessen.

Von Januar 1978 bis Mai 1979 führte ihn sein Beruf in die Antarktis, wo er auf der sowjetischen Forschungsstation Nowolasarewskaja “überwinterte”. 1976 war in dieser Forschungsstation eine Forschungsbasis der DDR mit unterschiedlichsten wissenschaftlichen Teilbereichen gegründet worden. Gerhard Strauch führte dort gemeinsam mit einem Kollegen aus dem Zentralinstitut für Isotopen und Strahlenforschung das Isotopenprogramm ein. Seine Arbeiten konzentrierten sich auf Untersuchungen an Eiskernen und Luft CO2. Sukzessive entwickelte er sich zu einem anerkannten Isotopenspezialisten. So verwundert es nicht, dass er bereits ab 1979 bis 1989 an der Organisation einer internationalen Tagung (“Isotope in der Natur”), die in Leipzig abgehalten wurde, beteiligt war.

Dann kam die Wende.

Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten war Gerhard Strauch dann ab 1992 im UFZ (Umwelt Forschungszentrum Halle-Leipzig) im Department of Hydrogeology tätig. Sein Hauptinteresse lag nun im Bereich Hydrologie und Isotopen-Hydrogeologie.

1990 kam es zur Vereinigung der Arbeitsgemeinschaften stabile Isotope der DDR (ASTI) und der Arbeitsgemeinschaft stabile Isotope in Westdeutschland (ASI). Bei der Gründungstagung der vereinigten ASI in Heidelberg war er zwar nicht dabei, aber schon bei der ersten Tagung nach der Vereinigung, 1991 in Leipzig, gehörte Gerhard Strauch neben den Herren Faust, Jung und Krumbiegel zum Organisationsteam! Von da an war er regelmäßig bei den ASI Tagungen beteiligt – mit Vorträgen, Postern oder auch bei der Organisation.

2000 organisierte er gemeinsam mit Peter Krumbiegel und Klaus Jung eine weitere ASI Tagung in Leipzig und 2012 gemeinsam mit Matthias Gehre und vielen anderen die JESIUM in Leipzig. Außerdem war er im erweiterten Vorstand tätig und von 1999 – 2005 als zweiter Vorsitzender sowie 2005 – 2009 als erster Vorsitzender an “vorderster Front” für die ASI tätig.

Als 1992 die European Society für Isotope Research (ESIR), eine Vereinigung von Isotopenwissenschaftlern in Osteuropa, gegründet wurde, war es Gerhard Strauch, der die Tagungen dort besuchte und bei der ASI darüber berichtete.
Ein besonderes Anliegen war ihm von Anfang an das Publikationsorgan der ASI/GASIR.

Anfangs hieß die Zeitschrift “Isotopenpraxis”, 1992 wurde daraus das Journal “Isotopes in Environmental and Health Studies”. Bei dieser Überleitung war er aktiv beteiligt und arbeitete kräftig mit. In der Folge wurde der 2000 Assistent im Editorial Board, in 2006 dann Co-Editor und 2011 löste er Peter Krumbiegel als Editor in Chief ab. Bis heute ist er mit vollem Engagement für die Belange der Zeitschrift unterwegs. Alles in Allem war er immer für die Belange der ASI engagiert unterwegs und ist auch einige Jahre nach seinem (offiziellen) Eintritt in den Ruhestand noch mit Interesse und Engagement dabei.

Wir freuen uns, Dr. Gerhard Strauch als Ehrenmitglied in unserer Arbeitsgemeinschaft begrüßen zu können und wünschen ihm von ganzem Herzen, dass er bei guter Gesundheit noch viele Jahre sein großes Interesse an der Forschung mit und um stabile Isotope weiterverfolgen kann und wir ihn noch auf vielen zukünftigen Tagungen treffen und mit ihm diskutieren können.

Anette Goeske

Prof. Dr. Peter Krumbiegel (seit 2019)

Laudatio zur Ehrenmitgliedschaft von Herrn Professor Dr Peter Krumbiegel in der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope anlässlich der ASI-Jahrestagung 2019 an der TU Dresden.

Beginnen möchte ich mit einem Zitat von Peter Krumbiegel, nachzulesen in unserer ASI-Homepage zur Geschichte der ASI-Ost: “Und ich bin wahrscheinlich derjenige noch Lebende, der im Osten schon seit 1956 und nahezu ununterbrochen bis heute, also seit über 50 Jahren mit stabilen Isotopen befasst ist.” Heute sind es schon mehr als 60 Jahre, und er tut es noch heute als Co-Editor von Isotopes in Environmental and Health Studies (IEHS).

Wie fand der Chemiker Peter Krumbiegel Gefallen an den Isotopen?

Nach Praktikum und Diplomarbeit am Akademie-Institut für Physikalische Stofftrennung zu “Kinetische Isotopieeffekte von Wasserstoff bei der Xylol-Oxidation” (1958) bei Dr Heinrich Hübner wurde Peter Krumbiegel schon 1960 Arbeitsgruppenleiter für Isotopenanwendung in Chemie & Technik in Hübner’s Abteilung Isotopenanwendung. Diese Zeit bei den Granden der Isotopenforschung in Leipzig, Prof Justus Mühlenpfordt und Nobel-Preisträger Gustav Hertz, fasst er zusammen “wir jungen Wissenschaftler konnten aktiv das neue reizvolle Gebiet der Isotopenanwendungen mitgestalten”.

Peter Krumbiegel blieb bei den Isotopen und promovierte 1963 an der Universität Leipzig zu “Anwendung der Isotopen-Verdünnungsmethode in der Monomer-Bestimmungin von 15N-Caprolactam“. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse fasste er in einer Monographie “Isotopieeffekte”, die 1970 beim Akademie-Verlag Berlin erschien und kurz danach sogar von Pergamon Press und Viewegs Braunschweig übernommen wurde.

Mit der Akademiereform 1970 sollte Peter Krumbiegel für kurze Zeit bei der staatlichen Isocommerz in der Forschungsfinanzierung und Vertreibung stabiler Isotopen-Verbindungen und Nuklearpharmaka mitarbeiten. Nur gerichtlich konnte er sich endlich 1978 daraus “befreien” und ab 1979 wieder wissenschaftlich in der Arbeitsgruppe von Prof Faust am Zentralinstitut für Isotopen- und Strahlenforschung ZfI arbeiten. Prof Faust’s Gruppe befasste sich mit stabilen Isotopen in Biomedizin und Landwirtschaft, und Peter Krumbiegel übernahm die Isotopenanwendung in der Medizin. Er äußerte sich dazu: “das war wissenschaftlich meine erfolgreichste Periode”.

Auf der wissenschaftlichen Habenseite von Dr Peter Krumbiegel standen Verfahren der Isotopenanwendung aus dieser Schaffensperiode, wie sie heute in der Humanmedizin weiterhin verwendet werden, z.B. nicht-invasive Organfunktionstests mit 13C & 15N, der 15N Methazetin-Leber Test und 15N-Harnstofftest im Urin. Eine seiner Entwicklungen, der Helicobacter pylori 13C-Atemtest wurde von der Leipziger Firma Fischer Analysen Instrumente GmbH kommerziell verwertet.

Folgerichtig habilitierte sich Peter Krumbiegel 1987 an der Universität Leipzig zu “Anwendung stabiler Isotope in der Humanmedizin – physiologisch und ethisch”. Auch diese Erkenntnisse fasste Professor Krumbiegel in “Stable Isotopes in Pharmaceuticals”, erschienen 1991 im Gustav Fischer Verlag, zusammen.

Professor Peter Krumbiegel’s Wirken im neuen Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ Leipzig-Halle schloss sich zeitlich und thematisch an die Akademiejahre im ZfI an. Im Department Expositionsforschung und Epidemiologie brachte er seine umfassende Erfahrung bei der Anwendung stabiler Isotope in die Umweltmedizin, besonders in Studien an Vorschul- und Schulkindern aus der damals hochbelasteten Region Mitteldeutschland in Zusammenarbeit mit der Kinderklinik Leipzig ein. Dazu gehören auch Vorlesungen, Betreuung von Studenten und Doktoranden an der Universität Leipzig.

Peter Krumbiegel engagierte sich in den vom ZfI Leipzig organisierten “Arbeitsgemeinschaften” – ähnlich der heutigen ASI – wie “15N-Anwendung in der Medizin” (1972) und “Produkte mit stabilen Isotopen” (1962). Nach der Zusammenführung der ASIs-Ost und ASTI-West 1990 in Heidelberg richtete er zusammen mit seinen Kollegen Prof Faust und Dr Jung die erste gemeinsame ASI-Tagung 1991 in Leipzig aus.

Noch ein Wort zum Isotopenjournal, in dem Peter Krumbiegel seit 1975 im Editorial Board mitarbeitete. Nach dem Tod von Prof Heinrich Hübner übernahm er 1992 die Editorenschaft für die “Isotopenpraxis”, dem heutigen Journal “Isotopes in Environmental and Health Studies”.

Nun wünschen wir Professor Peter Krumbiegel weiterhin eine gute Gesundheit und noch großes Interesse an den Isotopen. Möge ihm die Freude besonders an der Bach’schen Musik ein Quell dafür sein.

Gerhard Strauch
Dresden, 1. Oktober 2019

Prof. Dr. H. Faust (seit 1992)

Dr. Karleugen Habfast † (1995 bis 2009)

Dr. Heimo Nielsen † (2010 bis 2012)

Prof. Dr. Hanns-Ludwig Schmidt (seit 1993)

Nachrufe
Nachruf Dr. Habfast

Es ist immer wieder schwer zu begreifen, dass ein guter Freund und ein geschätzter Kollege nicht mehr an unseren Gesprächen und Diskussionen teilnehmen kann.

Unser langjähriges Mitglied und Ehrenmitglied der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope e.V.,

Dr. Karleugen Habfast,

Vorsitzender der gleichnamigen Stiftung zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, ist am Sonntag, den 5. April 2009, in Bremen verstorben.

Dr. Karleugen Habfast hat in mehr als vier Jahrzehnten die Massenspektrometrie technisch und theoretisch maßgeblich mit beeinflusst.

Unter seiner fachlichen Leitung wurden massenspektrometrische Messsysteme in der “Bremer Fachschmiede” entwickelt, verbessert, neu konzipiert. Immer wurde Wert darauf gelegt, dem Nutzer der Massenspektrometrie ein Instrument bereitzustellen, das den steigenden Anforderungen an Präzision, Reproduzierbarkeit und Eleganz der Messung von stabilen Isotopen gerecht sein möge.

In unzähligen Diskussionen mit Fachkollegen hat Herr Dr. Habfast sein “Steckenpferd” zum Nutzen der Isotopenforscher zu immer größeren Leistungen gebracht. Er vertrat die Ansicht, dass Wissenschaftler und Praktiker, deren Arbeitsgebiet die Anwendung stabiler Isotope ist, nicht so recht in das übliche Schema wissenschaftlicher Fachvereinigungen passen, denn fast jeder setzt diese Methodik in einem anderen Fach ein.

Trotz vieler methodischer Gemeinsamkeiten ist dadurch der notwendige fachübergreifende Erfahrungsaustausch erschwert. Daher war er ein steter Befürworter und Förderer einer Fachvereinigung, die die verschiedensten Interessengebiete zusammenbringt, um methodische Erfahrungen zu diskutieren – eben unserer Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope.

Es war ihm in den letzten Jahren zunehmend wichtig geworden, jüngere Fachkollegen anzuspornen, auf dem Gebiet der Isotopenforschung höchste Leistungen anzustreben. Zusammen mit seiner Familie hat Karleugen Habfast dazu ein Forum – die Dr. Karleugen Habfast-Stiftung – gegründet, um wissenschaftliche Leistungen in der Isotopenforschung gebührend zu würdigen. Der von dieser Stiftung ausgelobte Isotopenpreis wird jährlich im Rahmen der Tagung der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope verliehen.

Herr Dr. Habfast wusste, dass stete Aufmerksamkeit und Referenz notwendig ist, um in Fachkreisen mitreden zu können. Seinem Engagement für eine höhere Bekanntheit unserer Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope und damit der Isotopenforschung in Deutschland ist es zu verdanken, dass die Arbeitsgemeinschaft ihre erste Internetplattform bekam. Bis zuletzt arbeitete Herr Habfast an unserer ASI-Homepage mit.

Viele von uns werden Dr. Karleugen Habfast mit seinem stets offenen Ohr für Diskussionen und Fachgespräche, Ratschläge und Hinweise vermissen. Im Gedächtnis vieler Isotopenforscher hat er sich einen Platz geschaffen. Wir werden unserem Ehrenmitglied, Herrn Dr. Karleugen Habfast, in der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope ein würdiges Andenken bewahren.


Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope e.V.

Dr. Gerhard Strauch          Dr. Rolf Siegwolf          Dr. Matthias Gehre

Nachruf Dr. Nielsen

With sadness we have to inform the stable isotope community that

Dr. Heimo Nielsen,

longterm member and continuous supporter of the German Association of Stable Isotope Research (GASIR) , passed away on October 12th, 2012 in Göttingen, Germany. He was well known for his pioneering work on the stable isotope geochemistry of the natural sulfur cycle.

Dr. Nielsen died only a few months after the publication of a special issue honoring his 90th birthday (Böttcher, M.E. & Hoefs, J., 2012. Sulphur tales: A tribute on the occasion of the 90th birthday of Heimo Nielsen, Isotopes in Environmental and Health Studies, 48), containing an editorial that provides the base for the following text.

Heimo Nielsen was born on April, 27th, 1920 in Glückstadt and grew up in Hamburg, Germany. After school he started first studying physics. After the second world war, he switched to mineralogy at the University of Hamburg, and received his Dr. rer nat. degree in 1953 with a work on columbite and tantalite. In the following years he worked for the German Geological Survey, BGR, and NLfB in Hannover.

Heimo Nielsen started working on sulfur isotopes in the early 1960s when he directed the newly founded “Central Laboratory for the Geochemistry of Stable Isotopes (German: Zentrallabor für Geochemie stabiler Isotope)” in Göttingen.

At that time, sulfur isotopes in earth sciences were still in its stages of infancy. The precise measurement of stable isotope ratios was restricted to a small number of laboratories around the world, which generally were specialized in the analysis of one particular element.

Heimo Nielsen was the first to measure sulfur isotopes in West-Germany. During the early years his major efforts focused on the investigation of ore deposits in Germany (for a complete bibliography, see Böttcher & Hoefs, 2012). L

ater on, his interests shifted to biogeochemical processes, concentrating on the changes in sulfate and sulfide reservoirs in the global sulfur cycle over geologic time, as reflected for instance by marine evaporite deposits. As an example, his classic publication with Martin Hartmann, his co-worker from Kiel University, was reprinted in 2012 for the first time in a recent English translation (Hartmann, M. & Nielsen, H., 2012, δ34S values in recent sea sediments and their significance using several sediment profiles from the western Baltic Sea. Isotopes in Environmental and Health Studies, 48, 7-32.).

Although 1969 originally published in German, a recent SCHOLAR search gives 140 citations of this seminal publication in the international scientific literature.

Until his retirement in 1986 and even later, Heimo Nielsen served at the Georg-August University of Göttingen, teaching stable isotope courses, and training students and colleagues.

In 2010, Heimo Nielsen received the honorary membership of the GASIR. Heimo Nielsen is survived by his son Rainer, who was of fundamental support during the last years.

Michael E. Böttcher(1) and Jochen Hoefs(2)

(1) Geochemistry & Stable Isotope Geochemistry Group, Marine Geology Section, Leibniz Institute for Baltic Sea Research (IOW), Warnemünde, Germany

(2) Geochemical Institute, Georg-August University of Göttingen, Germany

Nachruf Prof. Dr. Ziegler

Kurz nach dem Tod des Ehrenmitglieds Dr. Karleugen Habfast hat die Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope e.V. den Verlust eines weiteren langjährigen und bis zuletzt aktiven Mitglieds und Förderers zu beklagen.

Am 17. April 2009 ist Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hubert Ziegler im Alter von 84 Jahren in München verstorben.

Hubert Ziegler war einer der herausragenden deutschen Botaniker in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts und ein Pionier bei der Anwendung stabiler Isotope in der Ökophysiologie der Pflanzen.

Nach dem Studium der Fächer Biologie, Chemie und Geographie für das Lehramt an Gymnasien, der Promotion und der Habilitation an der LMU München lehrte er als Professor für Botanik von 1959 bis 1970 an der TH Darmstadt und von 1970 bis 1992 an der TU München.

Seine wissenschaftlichen Interessen in der Botanik waren von ungewöhnlicher Breite. Sie erstreckten sich von der Biophysik bis zur Ökophysiologie von Pflanzen und der Umweltforschung. Er verfasste ca. 400 wissenschaftliche Publikationen und war Autor zahlreicher Lehrbücher.

Frühzeitig erkannte Hubert Ziegler auch das Potential stabiler Isotope bei der Aufklärung pflanzlicher Stoffwechselprozesse und bei der Herkunftskontrolle von Lebensmitteln. Seine ersten Publikationen zur Kohlenstoff-Isotopendiskriminierung bei Pflanzen mit CAM-Photosynthese stammen aus dem Jahr 1975 – und das war zwei Jahre vor Gründung der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope. Bereits 1977 publizierte er über die Verwendung stabiler Isotope zur Herkunftscharakterisierung von Honig. Im Physiologieteil des Lehrbuchklassikers der Botanik “Strasburger” führte er erstmalig den Begriff “stabile Isotope” als Mittel zur Differenzierung pflanzlicher Photosynthesewege ein. Später richtete er bei der Verwendung von stabilen Isotopen ein besonderes Augenmerk auf die Differenzierung von Stoffflüssen zwischen Parasiten – etwa der Mistel – und ihren Wirtspflanzen.

Den Tag seiner Emeritierung beging Hubert Ziegler 1992 bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope in Bayreuth. Barry Osmond widmete damals seinen Hauptvortrag den frühen Beiträgen Hubert Zieglers zur modernen Ökophysiologie der Pflanzen unter Verwendung stabiler Isotope (C.B. Osmond (1993) Isotopenpraxis Environ. Health Stud. 29: 3-8).

Auch nach seiner Emeritierung blieb Hubert Ziegler der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope aktiv verbunden. Bis zuletzt war er Mitglied im Editorial Board des Publikationsorgans der ASI “Isotopes in Environmental and Health Studies” und Gutachter zur Vergabe des Isotopenpreises der Dr. Karleugen Habfast-Stiftung.

In Anerkennung seiner Verdienste für die Wissenschaft war Hubert Ziegler u.a. Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften – dort leitete er die Kommission für Ökologie – und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Ehrenmitglied der Deutschen Botanischen Gesellschaft, Ehrendoktor der Universitäten Regensburg, Würzburg und Bochum und Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst.

Wir werden unserem langjährigen Mitglied, Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hubert Ziegler, in der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope ein würdiges Andenken bewahren.

Im Auftrag des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft Stabile Isotope e.V.